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M&A-Markt 2020: wo geht die Reise hin?

Nach Eintrübung im Vorjahr zeichnet sich für die nächsten Jahre ein interessanter M&A-Markt ab

2019 war für M&A-Transaktionen ein eher durchwachsenes Jahr. Auch wenn die zahlreichen Studien, die zum M&A-Markt regelmäßig erscheinen, nie ein einheitliches Bild präsentieren, so besteht doch Einigkeit: Zahl und Volumen der Transaktionen in 2019 sind hinter den Vorjahren zurückgeblieben. Die Rekordstände vorheriger Jahre wurden in 2019 – jedenfalls bei Transaktionen mit deutscher Beteiligung (insbesondere mit deutschem Target) – unterschritten.

Den Rückgang im M&A-Markt hatten allerdings zahlreiche Marktteilnehmer vorhergesehen, und – bei Lichte betrachtet – war er wohl auch vorhersehbar. Nach rund einem Jahrzehnt kontinuierlichen Aufschwungs und guter Finanzierungsbedingungen für Unternehmen trübte sich das wirtschaftliche Klima ab Mitte 2018 ein. Unsicherheiten aufgrund des Brexit, Unklarheiten über die weitere Entwicklung des Welthandels und branchenspezifische Marktveränderungen (z.B. im Bereich der Digitalisierung und der erhebliche Wandel im Automobilsektor) führten in vielen Bereich zu operativem Rückgang oder zu Stagnation. Private-Equity-Investoren, die erwogen hatten, bestimmte Portfolio-Unternehmen gegen Ende 2018 oder Anfang 2019 auf den Markt zu bringen, überdachten ihre Pläne angesichts sich verschlechternder Unternehmenskennzahlen und verschoben diverse Exits. Auch auf Käuferseite trat Zurückhaltung auf. Investoren fragten sich, ob es nicht besser wäre, abzuwarten und auf sich verschlechternde Unternehmenskennzahlen und damit günstigere Kaufpreise zu spekulieren.

Natürlich galt diese Entwicklung nicht generell. Bestimmte Branchen, wie z.B. Health Care oder IT und insbesondere IT-Sicherheit, blieben verschont. In diesen Bereichen hat der Wettbewerb der Käufer und Kaufinteressenten 2019 daher eher noch zugenommen. Mangels anderer attraktiver Targets wurde um solche Unternehmen umso heftiger gerungen.

Ausblick auf den M&A-Markt 2020

Wagt man eine Prognose für 2020 (mit allen prognosetypischen Unsicherheiten), ist zunächst festzuhalten, dass die allgemeine wirtschaftliche Lage für die Unternehmen in Deutschland weiterhin schwierig bleiben wird. Brexit, Entwicklung des Welthandels und Branchenveränderungen sorgen weiterhin für Unsicherheit.

Dies wird vermutlich einen stärkeren Fokus auf das Kerngeschäft zur Folge haben. Unternehmen werden verstärkt darüber nachdenken, ob Bereiche, die nicht zum Kerngeschäft gehören und die nicht gut genug performen, nicht besser in andere Hände gehören. In Zukunft werden sich die Unternehmen wieder sehr viel mehr Gedanken über ihre strategische Ausrichtung und die Auswahl der richtigen unternehmerischen Aktivitäten machen (müssen). Im Zuge dieses Prozesses werden deutsche Großkonzerne ihre Beteiligungsportfolien auf den Prüfstand und eine Reihe von Tochterunternehmen zum Verkauf stellen. In ausgewählten strategischen Bereichen werden sie indessen auch Zukäufe ins Visier nehmen.

Potential für die Private-Equity-Branche und Unternehmenskäufer generell

Hierin liegt Potential für die Private-Equity-Branche und für Unternehmenskäufer generell. Es werden sich neue Investitionsmöglichkeiten außerhalb des bisherigen Private-Equity-Marktes ergeben.

Diese neuen Chancen werden sich allerdings in vielerlei Hinsicht erheblich von der Investitionsstruktur der vergangenen Jahre unterscheiden. So werden vermutlich diverse Unternehmen zum Verkauf stehen, deren wirtschaftliche Performance nicht die beste ist. Ein Käufer wird daher bereit sein müssen, in ein Unternehmen zu investieren, dem unter Umständen eine schwierige Umstrukturierungsphase bevorsteht, bei dem ein Managementwechsel vollzogen werden muss oder dessen geschäftliche Aktivitäten neu ausgerichtet werden müssen.

Es werden sich daher attraktive Investitionsmöglichkeiten für solche Investoren auftun, die die mit diesen Situationen einhergehende Risiken nicht scheuen und über unternehmerische Erfahrung in Umbruchsituationen verfügen. Unternehmen in solchen Situationen dürften sich darüber hinaus häufig für Management-Buy-ins eignen oder aber für Add-on-Akquisitionen, bei denen der Käufer bereits über bewährte Managementkompetenz für eine solche vergleichsweise schwierige Situation verfügt.

In Summe dürfte die Anzahl der Transaktionen im Vergleich zu 2019 wieder zunehmen. Wirklich spürbar werden wird diese Entwicklung aber wohl erst Mitte 2020, wenn die die Jahresabschlüsse für 2019 ausgewertet sind und die Unternehmen die Entscheidungen über ihre Neuausrichtung getroffen haben.

In rechtlicher Hinsicht werden sich die Parameter für Unternehmenskaufverträge verschieben. Es steht zu erwarten, dass die Rolle von Carve-out-Themen im Rahmen der Transaktionen zunehmen wird. Es wird darum gehen, die betreffende Unternehmenssparte aus dem Konzern heraus zu lösen und gleichzeitig ihre Überlebensfähigkeit zu sichern. Aufteilungen von Marken, Patenten und sonstigen gewerblichen Schutzrechten, Vereinbarungen über Lizenzen, Zuordnung von Arbeitnehmern und der Abschluss von Transitional Services Agreements werden mehr Bedeutung bekommen. Zugleich wird es wichtig werden, unnötige Steuerbelastungen infolge des Carve-outs zu vermeiden.

Ausblick M&A-Markt 2021 und danach

Stellt man die Frage, wie sich der M&A-Markt nach 2020 weiterentwickeln wird, so wird – neben der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung und branchenspezifischen Umbruchthemen – auch das Zinsniveau eine große Rolle spielen. Die schwedische Reichsbank hat Mitte Dezember 2019 verkündet, die Zinswende einzuleiten und aus der Niedrigzinsphase aussteigen zu wollen. Durch den Wechsel an der Spitze der EZB von Mario Draghi zu Christine Lagarde ist jedenfalls eine Unsicherheit über die weitere Ausrichtung der Geldpolitik der EZB entstanden. Christine Lagarde hat angekündigt, dass sie 2020 dazu nutzen wolle, die Geldpolitik der EZB zu überdenken und nach über 14 Jahren die Geldpolitik einer grundlegenden strategischen Überprüfung zu unterziehen. Sie hat dabei zum Ausdruck gebracht, dass auch die negativen Folgen der Niedrigzinspolitik verstärkt in den Blick genommen werden sollen.

Sollten die Zinsen daher mittelfristig wieder steigen, so würde dies nicht ohne Auswirkungen auf den M&A-Markt bleiben. Die Finanzierungsbedingungen für Unternehmenskäufe würden sich verschlechtern. Und andere Investitionsmöglichkeiten könnten an Attraktivität gewinnen. Beides würde sich eher dämpfend auf das Preisniveau bei Unternehmenskäufen auswirken.

Darüber hinaus hätte der höhere Zinssatz zur Folge, dass – aufgrund der höheren Abzinsungsfaktoren – die Unternehmenswerte sinken würden.
Sollte es so kommen, so wäre dies ein wirklicher Paradigmenwechsel für den M&A Markt. Ob es so kommt, ist allerdings noch völlig unklar.

Fazit

In Summe zeichnet sich für die nächsten Jahre ein interessanter M&A-Markt ab. Aufgrund der Eintrübung des wirtschaftlichen Gesamtklimas und der erheblichen Umbrüche in einzelnen Branchen wird es zu Transaktionen kommen, bei denen die Zielgesellschaften nicht durchgängig mit herausragenden Unternehmenskennzahlen glänzen können. Die Preisfindung wird in vielen Fällen schwieriger werden. In wirtschaftlicher Hinsicht werden Käufer aufgerufen sein, die Zielgesellschaft unternehmerisch neu aufzustellen. In rechtlicher Hinsicht wird es verstärkt darum gehen, die Unternehmen aus größeren Einheiten herauszulösen und selbständig aufzustellen.

Geschrieben von

Martin Oltmanns ist Rechtsanwalt, Attorney-at-Law, Steuerberater sowie Partner am Berliner Standort. Seine Tätigkeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Private Equity und Venture Capital sowie Mergers & Acquisitions. Daneben verfügt er über umfangreiche Erfahrungen im Gesellschafts- und Konzernrecht und der Beratung börsennotierter Unternehmen.

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